Am Abend des 30. April fand in Stadthagen ein Konzert der Rechtsrockband “Kategorie C – Hungrige Wölfe” statt. Rund 150 Personen nahmen an der Veranstaltung im “Clubhaus” des lokalen Chapters der “Red Devils” teil. Grund für das Konzert in Stadthagen war vor allem das Erscheinen ihres neuen Albums mit dem Namen ” Deutsche Jungs”. Die Polizei war mit rund 250 BeamtInnen vor Ort und kontrollierte Autos an den Ortseingängen. Insgesamt wurden 43 Platzverweise erteilt. Das Konzert selbst verhinderte sie jedoch nicht. Gegen 22:30 wurde es offiziell beendet.

Die KonzertbesucherInnen waren auch aus den umliegenden Landkreisen angereist. Unter ihnen bekannte Neonazis wie der zur Zeit in Minden wohnhafte Marcus Winter, der als Kopf der regionalen Kameradschaftszene gilt. Er ist maßgeblich verantwortlich für den jährlich in Bad Nenndorf stattfindenen Naziaufmarsch und hat im vergangenen Jahr bereits mehrere Rechtsrockkonzerte veranstaltet – wiederholt trat hierbei die Band Kategorie C auf.

Bei einer solchen Veranstaltung am 25. Dezember in Vallstedt, im Landkreis Peine, erhielt er dabei Unterstützung von Mitgliedern der “Autonomen Nationalisten Bückeburg”. Sie halfen einen Shuttleservice vom nächstgelegen Bahnhof zum Veranstaltungsort zu organisieren.

Kategorie C enstammt dem Bremer Hooliganmilieu, mit dem sie nach wie vor verbunden ist. Dennoch ist die Gruppe auch bei Rockern und vor allem bei Neonazis beliebt – ist sie doch auch eindeutig dem neonazistischen Spektrum zuzurechnen. Zwar betonen Mitglieder der Gruppe immer wieder sie seien “nur” eine unpolitische Hooliganband, doch ihre Konzerte werden regelmäßig von Neonazis besucht. Auch die Mitglieder selbst sind zum Teil seit Jahren AnhängerInnen der rechten Szene.                                                                                                                                                                         Vor allem Frontmann und Sänger Hannes Ostendorf besitzt hervorragende Kontakte zu organisierten Neonazis. Sein Bruder Henrik Ostendorf spielt in seiner Funktion als NPD-Politiker bundesweit eine wichtige Rolle, auch über die Parteigrenzen hinaus. Zur Zeit hält er den Posten des Geschäftsführers der NPD-Parteiorgans “Deutsche Stimme” inne.

Hannes Ostendorf selbst spielte bereits vor der Gründung von Kategorie C in diversen Rechtsrockbands. Sein Ende der 80er Jahre ins Leben gerufendes Bandprojekt “Nahkampf” war Teil des seit 2000 verbotenen Blood-and-Honour-Netzwerkes. 1991 war Hannes Ostendorf an einem Brandanschlag auf ein AsylbewerberInnenheim beteiligt.

Kategorie C selbst teilt sich immer wieder mit einschlägigen Rechtsrockbands die Bühne. So etwa im Jahre 2001 mit der ungarischen Blood-and-Honour-Band Archivum. Auf dem selben Konzert war auch ein Auftritt der tschechischen Band “Judenmord” geplant, deren Einreise an der deutsch-tschechischen Grenze jedoch verhindert wurde. Ihren CD’s, die auf Rechtsrocklabels wie “PC Records” oder dem berüchtigten “Rock-o-Rama” erscheinen, liegt regelmäßig Werbung für Szenemarken wie “Erik and Sons” oder “Thor Steinar” bei. Letztere benutzte bis zu einer Klage im Jahr 2004 die nationalsozialistischen SS-Runen in ihrem Firmenlogo.

Auch bei einer NPD-Veranstaltung drückten sie 2006 ihre Solidarität mit dem inhaftierten Neonazi Michael Regener aus, indem sie ein Konzert vor dessen Gefängnis abhielten.

Die ideologische Verbundheit zu Neonazis und die Nähe zum Hooligan- und Rockermilieu machen Kategorie C zu einer Integrationskraft, die verschiedene gewalttätige Szenen gleichermaßen anzieht. In einer Region wie Schaumburg, in der es ohnehin regelmäßig zu gewalttätigen Übergriffen seitens organisierter Neonazis kommt, ist dies besorgniserregend.

Ein rechtes Konzert hingegen hatte es im Landkreis das letzte Mal vor einigen Jahren gegeben.  Die Schaumburger Naziszene befindet sich offenbar nicht nur in Bückeburg im Aufwind.

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